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10. Juni 2025
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ÇETİN AY, „AMERIKA ZERFÄLLT“

ÇETİN AY, „AMERIKA ZERFÄLLT“

Der internationale Geschäftsmann Çetin Ay teilte seine Beobachtungen mit.

Vor Kurzem forderte Donald Trump ein hartes Vorgehen gegen Universitätsproteste in Kalifornien. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom betonte hingegen die Notwendigkeit, Rechte und Freiheiten zu schützen. Dieser kleine Konflikt spiegelte eine größere, wachsende Spannung innerhalb Amerikas wider. Die US-Regierung hat in den letzten Jahren die Kluft zwischen sich und der eigenen Bevölkerung vergrößert.

Demokratie, Freiheit, Menschenrechte – Konzepte, mit denen jahrelang die Welt belehrt wurde – stehen nun im Inland vor einer ernsthaften Bewährungsprobe.

Die größte Sorge des Systems sind nicht mehr äußere Bedrohungen, sondern wachsende innere Unruhen. Und es gibt eine Wahrheit, die selten ausgesprochen, aber von vielen gefühlt wird: Die Logik des Großprojekts Naher Osten (GMEP) wird heute in Amerika effektiv umgesetzt. „Das GMEP ist keine geografische Angelegenheit, sondern eine Methode“, sagt der internationale Geschäftsmann und politische Analyst Çetin Ay. „Die Gesellschaft zu spalten, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen und den Staat in eine sicherheitsorientierte Struktur zu verwandeln – diese Methode wird heute auf den Straßen der USA angewendet.“ Schauen Sie sich um: Die sozialen Spannungen zwischen Rechts und Links waren noch nie so intensiv. Jung und Alt leben in unterschiedlichen Welten. Neue Konfliktfelder entstehen, die auf ethnischen und kulturellen Identitäten basieren. Die Erwartungen an soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit schwinden stetig. Keine dieser Entwicklungen ist zufällig. Es wird eine bewusste und systematische Polarisierungspolitik verfolgt. Und dies ebnet dem Staat den Weg, seine Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.

Çetin Ay interpretiert diese Situation folgendermaßen: „Wenn die Menschen in einem Land einander nicht vertrauen, werden die sicherheitsorientierten Maßnahmen des Staates von der Gesellschaft leichter akzeptiert. Genau das geschieht derzeit in Amerika.“ Der primäre Reflex des US-Staates verlagert sich heute zunehmend von der Gewährleistung sozialer Sicherheit hin zur Prävention und Bewältigung potenzieller interner Konflikte. Der zunehmende Einsatz harter Interventionen bei Demonstrationen auf dem Campus ist nur ein kleines Beispiel dafür. Die Ausrüstung von Polizeibehörden mit schweren Waffen und Militärfahrzeugen sowie die Vorbereitung von Sicherheitseinheiten auf mögliche soziale Unruhen sind deutliche Anzeichen für einen neuen Trend.

Çetin Ay bewertet diese Situation wie folgt: „Eine weitere Folge des Projekts ‚Großer Naher Osten‘ ist die Transformation von Staaten in sicherheitsorientierte Strukturen. Der amerikanische Staat baut heute ein weitreichendes internes Sicherheitsnetzwerk auf, das über seine klassische Staatsidentität hinausgeht. Dies deutet auf einen fragilen Prozess im Hinblick auf das soziale Gleichgewicht hin.“ Polarisierung ist eines der wichtigsten Instrumente des Projekts ‚Großer Naher Osten‘. Es nutzt in verschiedenen Ländern unterschiedliche soziale Bruchlinien aus. In Amerika vertieft sich die ideologische und soziale Polarisierung. In diesem Umfeld fällt es den Menschen schwer, einen gemeinsamen gesellschaftlichen Willen zu formen. Verschiedene Bevölkerungsgruppen sind voneinander entfremdet und misstrauen einander. Der Staat wiederum kann seine zunehmend spaltende Sicherheitspolitik leichter durchsetzen.

Çetin Ay warnt vor diesem Prozess: „Wenn das Gefühl einer gemeinsamen Zukunft in einer Gesellschaft schwindet, verschlechtert sich auch das Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bevölkerung. Setzt sich diese Polarisierung fort, wird die amerikanische Gesellschaft vor ernsten sozialen Problemen stehen.“ Wohin könnte dieser Prozess führen? Ein Funke – ein hartes Eingreifen bei einer Demonstration, eine Gerichtsentscheidung, ein gesellschaftliches Ereignis … Solche Entwicklungen können eine Massenreaktion auslösen. Und die Sicherheitsreflexe des Staates könnten sich noch verschärfen.

Çetin Ay fasst die Risiken dieser Phase wie folgt zusammen: „Wenn das Vertrauen zwischen Staat und Bevölkerung verloren geht und die Sicherheitsmaßnahmen intensiviert werden, ist das demokratische Gleichgewicht der Gesellschaft gefährdet. Dies könnte langfristig weitaus größere Probleme nach sich ziehen.“ Wenn ein Staat anfängt, sicherheitsorientiert statt auf sozialen Zusammenhalt zu handeln, leidet die Demokratie. In Amerika wird diese Gefahr heute immer deutlicher sichtbar. Am auffälligsten ist Folgendes: Methoden, die einst in die Welt exportiert wurden, erschüttern nun das innere Gleichgewicht der Länder, in denen sie angewendet werden.

Çetin Ay schließt seine Ausführungen mit dieser Warnung: „Das Großprojekt Naher Osten ist jetzt in Amerika aktiv. Wenn die Gesellschaften nicht aufwachen, werden die Menschen selbst am Ende den höchsten Preis zahlen.“